Josefs-Gesellschaft

Die Preisträger Bastian Fleißner und Sarah Sommer mit Dr. Theodor-Michael Lucas, Sprecher der Geschäftsführung der JG.

„Mein Traum für die Zukunft? Ein vernünftiger Job!“

Heinrich-Sommer-Preis für drei Auszubildende aus den Berufsbildungswerken der JG.

Einmal im Jahr verleiht die Josefs-Gesellschaft den Heinrich-Sommer-Preis, der nach ihrem Gründer benannt ist. Heinrich-Sommer hat sich als Pionier für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung eingesetzt und so bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Selbständigkeit und Teilhabe von Menschen mit Behinderung gefördert.

Der Heinrich-Sommer-Preis würdigt herausragende Leistungen und meint damit nicht zwingend Bestnoten. Sondern vielmehr steht die persönliche Entwicklung der Auszubildenden im Fokus. Die diesjährigen Preisträger sind ihrer Eigenständigkeit einen großen Schritt nähergekommen. Sie haben Rückschläge eingesteckt und nicht aufgegeben. Sie haben Herausforderungen gemeistert und mit viel Stärke und Glaube an sich selbst ihre Ziele erreicht.

 

 

Die Preisträger
 

Sarah Sommer musste erste Ausbildung zur Elektroinstallateurin nach eineinhalb Jahren wegen eines tragischen Schulbus-Unfalls abbrechen, da sie dem Alltag auf der Baustelle nicht mehr gewachsen war. Mit der Ausbildung zur Fachpraktikerin für Baugruppenmechanik im Berufsbildungswerk (BBW) des Josefsheims in Olsberg fand sie langsam wieder zurück ins Leben.

Gespräche, ein gutes Umfeld und der Sport, der im BBW angeboten wird, halfen ihr bei dieser Entwicklung. Als Jugendliche hatte Frau Sommer bereits erfolgreich an 800- bis 3000-Meter-Läufen teilgenommen. 2006 wurde sie westfälische Langstreckenmeisterin über 2000 Meter. Nach dem Unfall blieben die Laufschuhe jedoch lange in der Sporttasche. Bis sie schließlich, mit Unterstützung des BBWs, den Sport für sich wiederentdeckte. „Laufen entspannt mich, ich kann dabei sehr gut abschalten“, erklärt Frau Sommer.

Den Schwung, den das Laufen in ihr Leben brachte, konnte sie auch auf ihre Ausbildung übertragen. Ihre Ausbilder loben Sarah für ihre überaus ordentliche, schnelle und fleißige Arbeit. Mit ihrer Abschlussprüfung wurde sie nicht nur Bezirks-, sondern auch Landesbeste Nordrhein-Westfalens. Durch das überaus positive Ergebnis hat sie die Möglichkeit erhalten, die Ausbildung zum Vollberuf Elektronikerin für Betriebstechnik aufzustocken. „Mein Traum für die Zukunft ist, dass ich später mal einen vernünftigen Job habe“, erzählt Frau Sommer strahlend.

Bastian Fleißner, der diesjährige Preisträger aus dem Benediktushof in Reken, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, welchen Wandel Teilnehmende in Berufsbildungswerken durchlaufen können, aber auch, dass eine Auszeit zum richtigen Zeitpunkt manchmal Unerwartetes möglich macht.

Zunächst war es für Herrn Fleißner nicht leicht sich im BBW und in die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker einzufinden. Immer wieder hatte er persönliche Krisen zu bewältigen. Während einer besonders schweren Krise entschloss Herr Fleißner sich nach ausgiebigen Beratungen dazu, die Ausbildung zu unterbrechen.Was zunächst wie ein Scheitern wirkte, entpuppte sich als kluge Entscheidung. Denn manchmal kann eine Pause, ein bewusster Stopp, auch der Startpunkt für eine neue Fokussierung sein. Mit dieser Auszeit genau zum richtigen Zeitpunkt, wie Herr Fleißner selbst betont, hatte er schließlich die Muße und die Zeit sich auf das therapeutische Angebot einer Tagesklinik einzulassen. „Es war eine große Herausforderung, so an mir selbst zu arbeiten“, berichtet er. Doch es gelang ihm: Innerhalb eines halben Jahres fand er neue Kraft, neuen Elan und Schwung. Und mit dem Wiedereinstieg war der Schalter dann umgelegt. Mit hoher Motivation stürzte er sich zurück in die Ausbildung. Seine Ausbilder und Betreuer im Benediktushof sind sich einig: „Wie ein anderer Mensch“, sei er die Ausbildung mit einer vollkommen neuen Grundhaltung angegangen. In der derzeitigen Praxisphase seiner Ausbildung in einem Metallunternehmen in Schöppingen hält er sogar dem Schichtdienst stand.

Nicht nur beruflich, sondern auch im persönlichen Umgang hat er sich weiterentwickelt. Während er sich früher durch sein negatives Weltbild das Leben schwergemacht hat und sich im Kontakt wenig umgänglich zeigte, ist er heute ein zufriedenerer Mensch mit positiver Lebenseinstellung geworden. „Mein Ziel ist, nach der Ausbildung eine feste Arbeit zu finden, nach Schöppingen zu ziehen und einfach ein ganz normales Leben zu führen“, erklärt Herr Fleißner im Hinblick auf seine Wünsche für die Zukunft.

Karsten Mohr, der Preisträger aus dem Berufsbildungswerk im Heinrich-Haus Neuwied, wird von seinem Ausbilder als „echtes Stehauf-Männchen“ beschrieben.

Denn Herr Mohr hat in seinem jungen Leben schon mehrere außergewöhnliche Schicksalsschläge erfahren müssen. Nach einem regulären Schulabschluss absolvierte er gerade eine Ausbildung zum Chemikanten bei einem großen Pharmaunternehmen, als er durch einen schweren Fahrradunfall eine Querschnittslähmung erlitt. Ein schwerer Schlag, auf den eine schwierige und mühsame Zeit folgte, die viel Kraft kostete.

Im BBW konnte er 2014 seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beginnen, die er sehr zielstrebig verfolgte. Er absolvierte erfolgreiche Praxisphasen in verschiedenen Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Doch der Zielstrebigkeit und dem Engagement für die Ausbildung standen immer wieder gesundheitliche Probleme durch das dauerhafte Sitzen im Rollstuhl entgegen. Mehrmals hatte er Krankenhausaufenthalte und längere Ausfallzeiten durchzustehen. Dies gipfelte 2016 in einem Herzstillstand. Glücklicherweise befand er sich zu dem Zeitpunkt gerade im Krankenhaus, sodass er reanimiert werden konnte. Nach diesem weiteren Rückschlag kämpfte er sich im wahrsten Sinne des Wortes wieder zurück ins Leben.

Von dieser Kämpfer-Natur profitiert aber nicht nur Herr Mohr selbst. Mit seiner Kraft und seinem Mut zieht er auch andere mit. Er kann gut kommunizieren und ist hilfsbereit gegenüber seinen Mitschülern und Mitazubis. Er ist sehr selbstständig und gut organisiert. So hat er beispielsweise während seiner Praktika den Fahrdienst und den ambulanten Pflegedienst selbst organisiert, sodass sein Pflegedienst in die Stadtverwaltung kommen konnte.

Leider konnte Herr Mohr nicht persönlich an der Preisverleihung teilnehmen, da sein gesundheitlicher Zustand ihm einen Strich durch die Rechnung machte. In seinem Leben konnte er jedoch schon so manchen Rückschlag erfolgreich hinter sich bringen. Allen Widrigkeiten zum Trotz steht er nun kurz davor seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten erfolgreich zu beenden.

 

Die Josefs-Gesellschaft gratuliert allen Preisträgern ganz herzlich und wünscht ihnen alles Gute und Gottes Segen für ihren beruflichen und privaten Lebensweg!

Ansprechpartner

Foto von Lara Mohn


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