Josefs-Gesellschaft

„Unklare Finanzierung birgt zu hohe Risiken“

- Josefs-Gesellschaft und Antoniushaus ziehen sich aus dem Projekt Seniorenzentrum für Hochheim zurück

- Finanzierungslücke von rund 40.000 Euro pro Platz / 2,7 Mio. Euro gesamt

 

Hochheim. Geschäftsführung von Antoniushaus gGmbH und der Gesellschafter Josefs-Gesellschaft (JG) haben entschieden, das Bauprojekt „Seniorenzentrum“ in Hochheim nicht umzusetzen. Darüber hat der Sprecher der Geschäftsführung der Antoniushaus gGmbH, Dr. Caspar Söling, in einem Schreiben (am 15.2.) Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt informiert. Dr. Caspar Söling antwortete auf eine schriftliche Anfrage des Bürgermeisters nach dem Stand des Bauprojektes. Das Antoniushaus wollte im Neubaugebiet Schänzchen ein Quartiershaus der 5. Generation errichten, in direkter Nachbarschaft zur im Bau befindlichen Kindertagesstätte der Stadt.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Dr. Theodor-Michael Lucas, Vorstandssprecher der Josefs-Gesellschaft in Köln. „In den vergangenen Monaten haben wir zahlreiche Gespräche zur Finanzierung des Seniorenzentrums geführt. Doch die Differenz zwischen den sicher finanzierten und den tatsächlichen Kosten ist so hoch, dass wir als Bauherr ein solch unkalkulierbares Risiko nicht eingehen können.“ Trotz eines geplanten Trägerzuschusses von 25% an den Baukosten bleibe eine Finanzierungslücke von rund 40.000 Euro pro Platz, die in dieser Höhe nicht absehbar gewesen sei. „Bei 67 Plätzen sind das rund 2,7 Mio. Euro“, so Dr. Lucas.

„Zwei Faktoren haben die Kosten maßgeblich in die Höhe getrieben: Die Baukonjunktur sowie die zu Jahresbeginn 2018 in Hessen in Kraft getretenen erhöhten gesetzlichen Anforderungen für stationäre Pflegeeinrichtungen“, so Dr. Caspar Söling. „Wir mussten unser Konzept für das Quartiershaus grundlegend überarbeiten und an die neuen Anforderungen anpassen, was einen großen Teil der Kostensteigerungen, aber auch der Zeitverzögerung ausmacht.“

Dieses Schicksal der massiven Kostensteigerungen teile das Antoniushaus jedoch mit allen anderen Leistungserbringern. So hätten deren Verbände zum Jahresende 2017 einen im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Investitionsaufwendungen in Hessen (AG Invest) geschlossenen Vertrag gekündigt, der die Finanzierung von stationären Pflegeinrichtungen regelt. Bislang akzeptierten die Kreise in Hessen  einen Refinanzierungsbetrag von knapp 84.000 Euro pro Platz für den Neubau von Pflegeheimen. Bis zu einer neuen Vereinbarung sieht sich der Main-Taunus-Kreis an diese Summe gebunden, hat dem Antoniushaus jedoch zugesagt, im Falle eines höheren als des bisherigen Abschlusses die Fördersumme entsprechend aufzustocken. „Das ist in der Tat ein Entgegenkommen des Kreises. Da wir jedoch nicht wissen, wie hoch letztendlich der akzeptierte Preis pro Platz ausfallen wird, würden wir mit einer unklaren Finanzierung einen Bau beginnen. Dieses Finanzierungsrisiko zu ignorieren, entspricht nicht unserer Geschäftspolitik als gemeinnütziges Unternehmen“, so Dr. Theodor-Michael Lucas. Andere Bundesländer, etwa Baden-Württemberg, hätten sich bereits in ihrer gemeinsamen Arbeitsgruppe auf einen gemeinsamen Richtwert geeinigt: Dieser liege für vollstationäre Pflegeeinrichtungen bei 140.000 Euro pro Platz, in Hessen seien die Anforderungen vergleichbar, so eine Erhebung des Diözesancaritasverbandes Limburg.

„Wenn wir in Hessen bereits eine Vereinbarung hätten wie in Baden-Württemberg, stünde dem Bau des Quartiershauses nichts im Weg. Aber es wäre leichtfertig, mit den zugesagten 84.000 Euro zu kalkulieren in der Hoffnung, dass am Ende eine Vereinbarung zustande kommen wird, die die Finanzierung der erforderlichen Baukosten trägt. Das würde ein privater Bauherr genauso wenig tun wie wir“, so Dr. Lucas.

Das Antoniushaus habe sich 2015 intensiv um den Zuschlag für das von der Stadt Hochheim initiierte Projekt beworben, unterstreicht Dr. Caspar Söling. „Wir wollten das Projekt unbedingt umsetzen, weil es dazu beitragen sollte, das Angebot der Stadt für Senioren zu bereichern. Leider müssen wir aber feststellen, dass unser Projekt für ein Quartiershaus der 5. Generation zum jetzigen Zeitpunkt nicht realisierbar ist. Wir bedauern das sehr, aber müssen uns auch eingestehen, dass wir keine riskante Investition starten wollen und können.“

Um Verwechslungen zu vermeiden: Das geplante Wohnhaus für Erwachsene im Schänzchen sei von dieser Entscheidung nicht betroffen. „Wir werden mit dem Bau dieses Hauses in diesem Jahr starten“ bestätigte Dr. Caspar Söling. „Erwachsenenwohnhaus und Quartiershaus sind zwei unterschiedliche Projekte. Für das Erwachsenenwohnhaus ist die Finanzierung gesichert – wir konnten mit dem Kostenträger Landeswohlfahrtsverband eine gesicherte Finanzierung vereinbaren. Hier wurde und wird die Finanzierung kontinuierlich an die gestiegenen Kosten angepasst. Es ist bedauerlich und unverständlich, dass dies bei Seniorenwohnheimen nicht möglich ist.“

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Foto von Lara Mohn

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